Museum mal anders!

Museum mal anders!

Die Kunst des Entdeckens: Ein Leitfaden für Neugierige

Für alle, die bei der Überschrift schon laut (oder innerlich) gejubelt haben, eines gleich vorweg: sorry, eine Bedienungsanleitung kann auch ich nicht geben! …die gibt’s für Kunst nicht und auch nicht für Museen oder Ausstellungen… Sorry, not sorry.

First of all: die Vorbereitung!

Nein, nein, es gibt keinen Dresscode fürs Museum, auch wenn es manchmal den Anschein hat, weil entweder alle Schwarz oder Knallbunt angezogen sind. Tatsächlich gilt im Museum (eigentlich): „Come as you are.“ Warum so viele Schwarz tragen? Keine Ahnung!

Angeblich vermittelt Schwarz Glaubwürdigkeit. Und es gibt ein Buch von Cordula Rau: „Why do architects wear black“ – hierin bekommt man ein paar ganz lustige Antworten von Architekt:innen, die man sich ja vielleicht für passende Momente merken kann 😉 Mein Favorit: „Aus Angst, sonst was falsch zu machen.“ 

Vielleicht gibt es aber auch einen anderen Grund: Schwarz ist ja eigentlich nichts – oder alles. Im Schwarz sind alle Farben enthalten und doch ist es neutral. Und damit wird’s zum perfekten Hintergrund, genau wie weiß. (Auf die Frage, warum eigentlich Museumswände so oft weiß sind, gehe ich in einem anderen Artikel ein!) Also verhält sich jemand in schwarzer Kleidung neutral vor dem Hintergrund der Kunst in der Ausstellung… (Museumspersonal ist ja auch oft schwarz gekleidet.)

Ok, wir hatten aber gesagt, es gibt keinen Dresscode. Und wirklich: gibt es nicht!

Zurück zur „Vorbereitung“ – die würde ich halten wie die Farbe Schwarz: neutral. Oder anders gesagt – es braucht gar keine Vorbereitung. Ehrlich nicht. Nie! Am besten sind spontane Museums- oder Ausstellungsbesuche. (Tipp am Rande: an richtig heißen Tagen oder im Urlaub ist mit einer der besten Zeitpunkte, um ein Museum zu besuchen! …im Gebäude ist es meistens nämlich angenehm kühl 😉

…zurück zur Kunst. Also, wie gesagt, am besten keine Vorbereitung. Neugierig sein. Unvoreingenommen. Und die Dinge einfach auf sich zukommen lassen. Und wenn’s nicht gefällt: es gibt keine Mindestverweildauer in Museen oder Ausstellungen. Echt. Man darf gehen, wann man möchte! Dieser Gedanken des „Aushalten-müssens“ oder gar „aber der Eintritt war so teuer“, der gehört tatsächlich ausrangiert. Bitte.

So, nun sind wir also schwarz gekleidet und neugierig und nun? Hinein ins Vergnügen!  

Meine Empfehlung ist, einen Museums- oder Ausstellungsbesuch anzugehen wie eine Party. Man kennt auch hier in der Regel nicht alle Anwesenden, denn welche:r Gastgeber:in versendet schon die Namensliste?! Geschweige denn irgendwelche weiterreichenden Informationen! (Datenschutz und so.) Also gleiche Situation: wir wissen nicht, was uns erwartet und sind nun mal da. Vielleicht halten wir uns an einem Getränk fest, das hilft ein bisschen. (Im Museum ist es in der Regel nicht gestattet, etwas zu essen oder trinken, ich empfehle hier ein Programmheft oder ähnliches statt dem Glas zu verwenden.) Und dann. Vorsichtig. Ganz vorsichtig bewegen wir uns durch die Räume. Oh, ah, da ist ja ein:e Bekannte:r – schnell mal „hallo“ sagen und dann weiter. Ach cool, da ist ja jemand, den:die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Auch hier ein (etwas längerer) Stopp. 

…nun, ok, ich glaube, es ist klar, was ich sagen will.  

Auf einen Museums- oder Ausstellungsbesuch übertragen würde das bedeuten: von Ausstellungsstück zu Ausstellungsstück schlendern (oder auch schneller gehen, je nachdem) und sich angesprochen fühlen. Oder eben nicht. Da, wo etwas passiert, kann man ja mal länger stehen bleiben und den Eindruck ein bisschen wirken lassen. (Egal übrigens ob „ach du liebes bisschen, was soll das denn?“ oder „nettes grün, mag ich“ oder „interessante Darstellung“ – alles sind Eindrücke. Emotionen. Und die wirken.)

Und das ist alles. Kunst braucht erstmal nicht mehr. Wirkung. Ganz individuell. Für jede:n anders. (Wir sind ja schließlich auch alle verschieden, haben unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen, Erwartungen, Leben, …)

Erster Rundgang also schwarz, neugierig, wirken lassen. 

Zweiter dann vielleicht noch mal etwas genauer, jetzt vielleicht auch mit Schilder-lesen (die bringen beim ersten Rundgang nichts, ehrlich. Selber sehen macht glücklich! Also nicht in den Raum rein und direkt zum Schild gestürmt, sondern einfach mal bewusst hinschauen. Wenn nichts passiert – auch gut. Dann weiter. Diese Schilder sind manchmal auch echt doof. Dann steht da „o.T.“, na danke, das hat jetzt auch nicht geholfen… Oder es steht da „Frühstück im Grünen“ – bringt jetzt auch nicht DEN Erkenntnisgewinn, oder? 

Also, zweite Runde mit Schildern. Vielleicht auch mit Audioguide. Nachlesen. (Die meisten Institutionen haben auch kostenfreies W-Lan, dann kann man sogar im Internet recherchieren.) Ausstellungskatalog durchblättern. Hinsetzen. Schauen. Vor allem Schauen! Wenn noch eine/mehrere Person/en mitgekommen sind: austauschen. (Aber nicht vom eigenen Eindruck überzeugen wollen!) Aber an erster Stelle: Schauen. Geduldig sein. Sich Zeit nehmen. Wirken lassen. 

Wirkt übrigens auch „entstressend“ so ein Kunstbesuch. Wie eine Meditation. Oder gar ein Urlaub. Einfach mal raus aus dem Alltag und was Neues sehen und erleben. Ist doch cool, dass wir (meistens) solche Möglichkeiten direkt vor der Haustür haben! Was sollen wir uns also dort auch noch stressen mit „verstehen, was der Künstler / die Künstlerin uns sagen will“? Dieser Anspruch bedeutet ganz schönen Druck! …vielleicht sollten wir uns erst einmal damit zufrieden geben, uns selbst beim Denken zuzuhören…

In diesem Sinne: auf ins Museum, in die Ausstellung! 


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