Alina Bronsky „Pi mal Daumen“
Kiepenheuer & Wietsch
8.2024
In Alina Bronsky neuen Roman „Pi mal Daumen“ begegnen sich zwei außergewöhnliche Charaktere: die 50-jährige Moni und der 16-jährige Oscar, deren ungleiche Verbindung der Geschichte nicht nur Witz, sondern auch Tiefe verleiht.
Moni, die mitten in ihrem chaotischen Familienleben steckt, entscheidet sich für ein Mathematikstudium – eine mutige und ungewöhnliche Wahl… Zwischen der Pflege ihres übellaunigen Mannes, der Betreuung ihrer Enkelkinder und ihrer verschiedenen Jobs, wagt sie den Schritt zurück in den Hörsaal. Dort trifft sie auf den jungen Oscar, einen hochbegabten Mathe-Studenten mit autistischen Zügen. Oscar, der als Erzähler der Geschichte fungiert, ist sozial sehr zurückgezogen und findet Monis Anwesenheit zunächst ziemlich irritierend. Langsam entwickelt sich zwischen den beiden aber eine gewisse Nähe, schließlich sogar eine enge Freundschaft – die beiden ergänzen sich einfach hervorragend.
Bronsky versteht es großartig, ihren Personen der Geschichte eine authentische Stimme zu verleihen. Besonders Oscars Perspektive und seine Beobachtungen (geprägt durch seine mathematisch-logische Denkweise und seine Schwierigkeiten im sozialen Umgang) haben mich beim Lesen immer wieder schmunzeln lassen.
Puh, aber hinter all dem steckt auch ein Haufen ernster Themen: Selbstverwirklichung, die Erwartungen der Familie(n), individuelle Bedürfnisse und eine Person, die aufgrund ihrer autistischen Züge im sozialen Umfeld immer wieder mit Herausforderungen konfrontiert wird. Durch die feine Zeichnung der Charaktere entwickelt sich eine Geschichte, die zutiefst glaubwürdig ist und bleibt und trotz gelegentlicher Überzeichnungen nicht in Klischees abdriftet.
Fazit
„Pi mal Daumen“ von Alina Bronsky ist ein humorvoller, aber zugleich tiefgründiger Roman über Außenseiter mit unkonventionellen Charakteren. Eine klare Leseempfehlung für ein verregnetes Herbstwochenende – heiter, ohne oberflächlich zu sein.








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