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Filmempfehlung: Die Fotografin 

Unter der Regie von Ellen Kuras erzählt der Film „Die Fotografin“ die außergewöhnliche Lebensgeschichte von Lee Miller (1907-77) und ihre Entwicklung  von einem erfolgreichen Model in den 1920er Jahren zu einer der bedeutendsten Kriegsfotografinnen des 20. Jahrhunderts. Die Titelrolle wird von Kate Winslet verkörpert, die Lee Millers Vielschichtigkeit und innere Zerrissenheit meisterhaft zum Ausdruck bringt. 

Die Handlung beginnt in den 1930er Jahren, als Lee noch in der glamourösen Welt der Modefotografie tätig ist. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wird bei ihr der Drang immer stärker, hinter die Kamera zu wechseln und die Gräuel des Krieges zu dokumentieren. Zunächst wird sie als Frau daran gehindert, an die Front zu gelangen – schließlich gelingt es ihr jedoch, sich durch ihre amerikanische Staatsbürgerschaft den Zugang zu den Kriegsgebieten zu erhalten.

Im Verlauf des Films begleitet man Lee Miller auf ihrem Weg von den durch den „Blitz“ zerbombten Straßen Londons über das befreite Paris bis zu den Konzentrationslagern in Deutschland. Der Film thematisiert nicht nur ihre erschütternden Erfahrungen an der Front, sondern auch ihre Versuche, als Frau in einer von Männern dominierten Branche Fuß zu fassen. Ihre engen Freundschaften, insbesondere zu der Vogue-Herausgeberin Audrey Withers, sowie ihre leidenschaftliche Affäre mit dem Künstler und Galeristen Roland Penrose (gespielt von Alexander Skarsgård) werden ebenfalls in den Fokus gerückt.

Besonders bewegend sind die Szenen, in denen Lee Miller mit den Folgen des Krieges konfrontiert wird: Sie fotografiert sowohl die Opfer als auch die Täter des Holocausts und dokumentiert das Ausmaß der Zerstörung und des unfassbaren menschlichen Leids. Eine der ikonischsten Szenen des Films zeigt, wie Lee Miller in Hitlers Münchener Wohnung von David Scherman ein Foto von sich in Hitlers Badewanne machen lässt – ein symbolischer Akt, der die Widersprüchlichkeit ihrer Erlebnisse verdeutlicht und der zu einem der herausragendsten Werke von Miller geworden ist.

Der Film legt einen starken Fokus auf die inneren Kämpfe der Fotografin nach dem Krieg, ihre Traumata und ihre Konflikte mit der britischen Vogue, die sich weigerte, ihre eindringlichen Kriegsfotografien zu veröffentlichen. Trotz ihres Erfolgs als Fotografin wird deutlich, wie stark Lee Miller unter den psychischen Wunden des Krieges leidet.

Die Fotografin ist nicht nur eine Hommage an Lee Millers beeindruckendes Lebenswerk, sondern auch ein packendes Porträt einer Frau, die ihre Stimme, ihren Blick und ihre Perspektive inmitten des Chaos des Krieges gefunden hat. 

Der Film ist unglaublich intensiv und dicht erzählt – keine der 116 Minuten ist zu viel oder gar zu wenig und ich empfehle ihn sehr gerne weiter, möchte aber auch den Hinweis geben, dass einige Teile des Filmes bzw. die gezeigten Aufnahmen von Lee Miller verstörend Wirken können, da sie Tod, Krieg, Blut, menschliches Leid und Vergewaltigungsszenen zeigen.

Die Vorlage des Films ist das bereits 1985 erschienene Buch „The Lives of Lee Miller“ von Antony Penrose, dem es gelingt, das Leben seiner Mutter in Worte zu fassen. 2023 erschien die deutsche Ausgabe „Immer lieber woanders“ in der Übersetzung von Brigitte Heinrich als insel Taschenbuch.

Infos Lee Miller

Lee Miller (1907–1977) war eine vielseitige Künstlerin, Fotografin und Kriegsberichterstatterin, deren Leben und Werk die Höhen und Tiefen des 20. Jahrhunderts widerspiegeln. Geboren in Poughkeepsie, New York, begann Miller ihre Karriere zunächst als Model und stand unter anderem für den berühmten Fotografen Edward Steichen vor der Kamera. Ende der 1920er-Jahre zog es sie jedoch hinter die Kamera und nach Paris, wo sie eine enge künstlerische Partnerschaft mit dem Surrealisten Man Ray einging. In dieser Zeit entwickelte sie ihren unverkennbaren surrealistischen Stil und leistete Pionierarbeit bei fotografischen Techniken wie der Solarisation.

Miller war jedoch nicht nur als Künstlerin aktiv, sondern auch als Kriegsberichterstatterin. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie für das Magazin Vogue und wurde eine der wenigen weiblichen Fotografen an der Front. Ihre Reportagen dokumentierten die Verwüstungen in Europa und die Befreiung von Konzentrationslagern wie Buchenwald und Dachau. Sie war bekannt für ihre Fähigkeit, sowohl die Grausamkeiten des Krieges als auch die menschliche Widerstandskraft in ihren Bildern festzuhalten.

Nach dem Krieg zog sich Lee Miller zunehmend aus der Fotografie zurück, lebte in England und widmete sich der Kunst sowie dem Schreiben. Sie hinterließ ein bedeutendes Werk, das sowohl durch seine ästhetische Kraft als auch durch seine historische Bedeutung beeindruckt. Ihre Fotografien, die Krieg, Leid und Hoffnung gleichermaßen festhielten, haben bis heute einen bleibenden Einfluss auf die Kunstwelt.

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