Helsinki entdecken: Design, Kunst und die Schönheit des Einfachen

Tag 1 – Auftakt am Wasser und Kunst unter der Erde

Unser erster Tag beginnt am Wasser – dem alten Hafenviertel Skatudden nicht weit von unserer Unterkunft gelegen. Hier, wo früher Lagerhäuser standen, mischen sich heute alte Speicher, moderne Wohnungen und der Blick auf das Wasser und auf Schiffe und Kräne und Möwen… Und gleich nebenan: eine der öffentlichen Saunen mit Schwimmbad direkt im Hafenbecken – ziemlich finnisch, für uns definitiv noch viel zu kalt!

Gleich um die Ecke entdecken wir die Markthalle von Helsinki. Jugendstil trifft auf Lachsbrötchen und Lakritz – drinnen ist es warm und wuselig, draußen weht ein kühler Wind (na gut man könnte auch sagen stürmische Böen, aber ohne Wind ist es in der Sonne schon schön warm). Nach dem Appetit-machen schlendern wir weiter zum Senatsplatz, dem klassischen Zentrum der Stadt. Der Dom, weiß und mächtig, thront über der symmetrisch angelegten Platzanlage und der riesigen Treppe. Irgendwie ein Ort wie ein Bühnenbild – zumal mit dem blauen Himmel im Hintergrund.

In der Nähe liegt die Universitätsbibliothek, ein echter Geheimtipp: man muss nur die Taschen einschließen und gelangt dann in die meisten Lesesäle, kann zwischen den Bücherregalen spazieren und die Atmosphäre dieser historischen Bibliothek einfangen. Wer hier wohl schon alles saß!?

Auch der Hauptbahnhof, ein Granitmonolith mit expressionistischen Details, beeindruckt – nicht zuletzt wegen seiner berühmten Laternenmänner am Eingang und einer groß(artigen) Halle die perfekt als Filmkulisse herhalten könnte und ein kleeeeeeines bisschen an die Grand Central Station in New York erinnert.

Am Nachmittag tauchen wir ein (oder unter) im wörtlichen Sinn: Das Amos Rex, ein halb unterirdisch gebautes Museum, überrascht mit seinen runden Lichtkuppeln, die wie Hügel aus dem Platz wachsen. Innen begegnet uns digitale Kunst, immersive Räume, Videoarbeiten – mutig, poetisch, experimentell. Und: Es funktioniert. Es befindet sich am/im Lasipalatsi, einem funktionalistischen Gebäude der 1930er – liebevoll restauriert, heute Kino, Café und Concept Store.

Zum Abschluss unserer Runde gehen wir noch in die Kapelle der Stille, mitten im Einkaufsviertel Kamppi. Außen aus warmem Holz, innen vollkommen reduziert – ein elliptischer, völlig fensterloser Raum. Inmitten der Stadt: ein sehr ruhiger Ort, von dem ich mir aber zugegebenermaßen mehr versprochen hatte.


Tag 2 – Design denken, Räume fühlen

Am nächsten Morgen widmen wir uns dem, wofür Helsinki berühmt ist: Design. Im Designmuseum Helsinki tauchen wir ein in die Geschichte finnischer Gestaltung – von Aino & Alvar Aalto bis Marimekko, von Alltagsgegenständen bis Möbeldesign. Das ist ein bisschen wie alte Bekannte wieder treffen, aber es gibt auch Neues zu entdecken, zum Beispiel die Kunst von Maija Lavonen

Direkt nebenan das Architekturmuseum mit Einblicken in städtebauliche Visionen in temporären Ausstellungen dürfte auch ein bisschen ergiebiger sein – aber vielleicht wird das alles anders, wenn die beiden Museen zusammen an einem neuen Ort öffnen. Bis dahin dauert es noch ein bisschen – 2030 wird es wohl so weit sein!

Weiter ging es für uns zur Felsenkirche (Temppeliaukio) – ein architektonisches Unikat. In den Granitfelsen gesprengt, mit einer kuppelförmigen Kupferdecke überspannt, wirkt dieser Raum sehr archaisch. Wir hatten Glück, dass wir als eine der ersten Besuchenden nach der Mittagspause in die Kirche hineingegangen sind, dadurch war es noch leer und ruhig.

Am Nachmittag waren wir dann noch im Kiasma, Helsinkis Museum für zeitgenössische Kunst. Der Bau selbst – entworfen von Steven Holl – ist spektakulär. Innen zeigt sich die Sammlung mit starkem Fokus auf nordischer Kunst: politisch, persönlich, poetisch. Die Räume sind fließend, das Licht spielt, die Grenzen zwischen Kunst und Architektur verschwimmen: ein Erlebnis!

Zum Schluss geht’s noch zur Zentralbibliothek Oodi, ein Leuchtturmprojekt neuer öffentlicher Architektur. Außen ein dynamisch geschwungener Bau, innen ein offenes Haus für alle: Lesen, Lernen, Spielen, Verweilen. Die oberste Etage wirkt wie ein Wohnzimmer mit Blick über die Stadt – Bibliothek als sozialer Raum. Als dritter Ort. Als ein Platz, an dem man einfach sein kann, ohne dafür zu bezahlen, ohne konsumieren zu müssen. Überhaupt haben wir festgestellt, dass es solche Orte oft in Helsinki gibt (und sie auch angenommen und genutzt werden). Orte, an denen man sich trifft, spielt, Essen und Trinken mitbringt und zusammensitzt… Großartig!

Zum Abendessen ging es uns für uns ins Restaurant Nokka. Regionale Küche, schlicht serviert, wunderbar abgestimmt mit der Weinbegleitung. Fisch, Wurzelgemüse, Beeren. Helsinki schmeckt hier genauso, wie es aussieht: klar, durchdacht, ein bisschen rau (oder spröde?!).


Tag 3 – Spazieren, schauen, schweifen

Der dritte Tag beginnt mit Bewegung: Wir gehen Richtung Olympiastadion, ein Symbol für Finnlands internationale Öffnung in den 1950ern. Der Aussichtsturm ist leider geschlossen, aber schon der Blick von unten lohnt. Weiter zum Wintergarten, ein kleines botanisches Juwel aus dem 19. Jahrhundert – voller Palmen, Orchideen und Ruhe und wieder ein Ort, der kostenlos ist, an dem ist warm ist, an dem sich Menschen treffen.

Vorbei an Oper und Musikzentrum geht es dann zur berühmten Finlandia-Halle von Alvar Aalto. Weißer Marmor, schräg gestellte Fenster, weiche Linien. Und ganz schön groß!

Nachmittags spazieren wir durch die Stadtviertel Eira und Ullanlinna – gediegene Gründerzeitbauten, Jugendstilelemente, ruhige Straßen mit Galerien, Boutiquen, Innenhöfen. Ein kleiner Abstecher ins Café Carusel bringt uns direkt ans Meer – Kaffee und Zimtschnecken mit Blick auf die Ostsee.

Unser letzter Stopp des Tages: das HAM – Helsinki Art Museum im Tennispalatsi. Eine vielseitige Sammlung moderner finnischer Kunst, darunter eine Ausstellung von und über Tove Jansson (der „Mumin“-Schöpferin) und weitere wechselnde Sonderausstellungen. Ein schöner Abschluss!


Noch lange nicht fertig – Helsinki bleibt auf der Liste

Wir haben viel gesehen – und trotzdem bleibt noch so viel offen: das Alvar-Aalto-Haus, das Atelier von Akseli Gallen-Kallela, ein Ausflug zur Festungsinsel Suomenlinna

Helsinki erschließt sich nach und nach, ist ein bisschen herb und spröde, aber mit Charme. Meine Empfehlung für einen Besuch: warten bis mindestens Anfang Mai, dann ist das Wetter stabiler, es ist wärmer und die Boote in die Schärenlandschaft fahren!  

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