Während dieser Newsletter in die Postfächer trudelt, bin ich unterwegs – auf Reisen, im Urlaub. Neue Städte und Länder zu erkunden, ist ja immer spannend. Aber ob ein Ort sich gut anfühlt, lässt sich im Voraus selten sagen. Manchmal ist es Liebe auf den ersten Blick, manchmal stellt sich das Wohlgefühl erst später ein – und manchmal auch gar nicht.
Wovon hängt das eigentlich ab? Was macht einen Ort zu einem Ort, an dem man gerne bleibt, verweilt, vielleicht sogar zurückkehrt? Einen Wohlfühlort?
Ein (guter) Ort hat ja superviele Dimensionen. Manche kann man messen oder planen, andere eben nicht, die sind einfach da… Architektur spielt eine Rolle, aber auch Geschichte, Atmosphäre, Erinnerung, Zugänglichkeit, Licht, Geräusche, Gerüche – und nicht zuletzt: die Menschen, die ihn nutzen oder eben gerade meiden.
Atmosphäre und Raumgefühl
Schon wenige Sekunden reichen, um zu spüren, ob ein Ort einladend wirkt oder abweisend. Ist es zu eng? Zu laut? Zu unübersichtlich? Oder öffnet sich da etwas, das uns willkommen heißt, eine klare Struktur, eine gewisse Ruhe? Gutes Design kann dazu beitragen, dass ein Platz Orientierung bietet, aber auch Überraschungen zulässt. Dass er funktional ist, ohne steril zu wirken. Dass er offen ist, ohne verloren zu machen.
Dabei geht es nicht immer um Schönheit im klassischen Sinn. Auch raue, vermeintlich „unfertige“ Orte können faszinieren – gerade dann, wenn sie uns irgendwelche Möglichkeiten eröffnen: zum Sitzen, zum Beobachten, zum „da sein“. Wenn sie nicht zu sehr kontrolliert sind, zu geplant, sondern eher wie ein „he hallo, hast du Lust hierzubleiben“ erscheinen.
Geschichte und Bedeutung
Viele gute Orte erzählen Geschichten – selbst dann, wenn sie eigentlich ganz still sind. Ein Brunnen auf einem Platz, der früher vielleicht ein Marktplatz war. Ein Mauerrest, der an politische Umbrüche erinnert. Oder einfach die Spuren des Gebrauchs: abgenutzte Treppen, glänzende Türklinken, eingelaufene Wege im Rasen. …wer da wohl schon alles war?!
Solche Spuren machen Orte lesbar. Sie verbinden Vergangenheit mit Gegenwart und geben einem Ort Tiefe. Das Wissen um die Geschichte verändert den Blick – und kann dazu führen, dass man ihn bewusster wahrnimmt.
Zugänglichkeit und Teilhabe
Ein guter Ort ist auch einer, den viele Menschen nutzen können – unabhängig von Alter, Herkunft oder körperlicher Verfassung. Barrierefreiheit, Sitzgelegenheiten, verständliche Wegführung, gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: All das sind keine „Extras“, sondern Grundlagen dafür, dass ein Ort als gut empfunden werden kann.
Auch soziale Aspekte spielen eine Rolle. Gibt es Angebote, die unterschiedliche Gruppen ansprechen? Ist Platz für Begegnung, für gemeinsames Tun, oder auch mal für Rückzug? Je durchlässiger ein Ort ist, desto größer seine Chancen, als offen und einladend wahrgenommen zu werden.
Erinnerung und Identifikation
Viele Menschen haben ihren ganz persönlichen Wohlfühlort: der Innenhof der alten Schule, die Bank im Park, auf der ein wichtiges Gespräch stattfand, die Straßenecke, an der man oft wartet – und dabei das Leben vorbeiziehen sieht. Solche Orte sind mit Gefühlen und Erinnerungen verknüpft. Sie geben Halt und Orientierung, auch in Zeiten der Veränderung.
Die Frage nach dem guten Ort ist also immer auch eine persönliche. Sie lässt sich nicht abschließend beantworten – aber stellen lässt sie sich überall: in der Stadt, auf dem Land, im Museum, im Wohnhaus, im Kopf.
Zwischen Alltag und Gestaltung
Stadtplanung, Architektur, Kunst im öffentlichen Raum – all das kann gute Orte ermöglichen. Aber oft sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen: ein schattiger Baum, eine gut platzierte Bank, eine geöffnete Tür, ein klarer Blick. Die besten Orte müssen absolut nicht spektakulär sein, sondern „nur“ irgendwie stimmig.
Gute Orte entstehen dort, wo Gestaltung, Geschichte und Nutzung in Beziehung zueinander treten. Wo Menschen sich gesehen fühlen, wo Räume nicht nur funktional, sondern auch sinnlich und sozial lesbar sind. Sie lassen sich nicht erzwingen – aber sie lassen sich erkennen. Und manchmal, mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit, auch gestalten.
…mal sehen, ob ich nach dem Urlaub von einem neuen Wohlfühlort berichten kann!








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