Palermo – Stadt der Kontraste

Palermo lebt in, von und mit Gegensätzen.

Hier glänzt der Marmor, dort bröckelt der Beton. Eine Straße duftet nach Blüten, die nächste nach Fisch und wieder die nächste nach Kaffee. Zwei Meter weiter dann doch eher wieder  Katzenfutter.

Kühle Innenhöfe verbergen sich hinter großen, schweren Holztüren, während draußen Vespas und Autos mit zu lauter Musik durch zu enge Gassen jagen.

Kirchen werfen ihre Schatten auf Graffitis, die Antike schlummert unter den Betonruinen und irgendwo zwischen Andacht und Disco liegt der Beat dieser Stadt: roh, schön, unübersichtlich. Abwechslungsreich, abstossend, anziehend.


Palermo entdecken – Bauten, Bilder, Begegnungen

Quattro Canti – Das barocke Kreuz

An den Quattro Canti, dem barocken Zentrum der Altstadt, kreuzen sich die zwei Hauptachsen – Via Maqueda und Corso Vittorio Emanuele – und führen in die verschiedenen Bereiche der Stadt: zum Meer, in das trubelige Viertel Kalsa oder auf einen der Quartiersmärkte.

Dieser Platz wurde im frühen 17. Jh. von Giulio Lasso geplant und angelegt, seine vier konkaven Fassaden symbolisieren die vier Jahreszeiten, die vier spanischen Könige von Sizilien und die Schutzheiligen der damaligen Stadtviertel.

Ein barockes Gesamtkunstwerk, an dem noch heute alle Menschenströme zusammenfließen: die der Besuchenden aus allen Himmelsrichtungen und eben die der Einheimischen aus den verschiedenen Stadtteilen. Menschen mit den unterschiedlichsten Gründen, die sie zu dem Platz geführt haben – zum Arbeiten, zum Schauen, zum Shoppen, zum Weiterlaufen, zum Innehaltem, zum Protest, zum Singen, …

Palazzo Butera – Kunst trifft Geschichte 

Wenn Palermo eines hat, dann sind es Palazzi – mindestens 100 dieser historischen Gebäude soll es geben (ok, die Zahl variiert ein bisschen nach Zählweise aber he – 100 ist schon ganz ordentlich!)

…und wenn ich mir einen Palazzo bauen würde in einer Stadt wie Palermo, dann mit Sicherheit auch mit Blick aufs Meer.

Es wundert also nicht, dass direkt an der Promenade La Cala so ein eindrucksvolles Beispiel sizilianischer Pracht steht: der barocke Palazzo Butera. Heute ein Museum, ein Ort für Kunst, Wissenschaft und Austausch, wiederbelebt durch das Ehepaar Valsecchi. Seit etwa 10 Jahren transformieren sie den historischen Palast, nicht zuletzt, um ihre umfangreiche Sammlung aber auch wissenschaftshistorische Objekte zugänglich zu machen.

Bei der Sanierung und den sorgfältigen Aus- und Umbau des Gebäudes bewahrt man auf eindrucksvolle Weise die historische Substanz und inszeniert sie gemeinsam mit der Sammlung. Und in dem Fall ist Inszenierung genau so gemeint: alles wird in Szene gesetzt. Kombiniert. Gezeigt. Betont. Besonders eindrucksvoll: das restaurierte Dach, die Kombination von historischen und modernen Elementen und – wow – der grandiose Blick von der Dachterrasse auf das Meer und Palermo! Oh, und die freigelegten endlosen Wurzeln des Jacaranda-Baums… Eine Natur-Kunst-Installation!

Und dazwischen, darin, überall Objekte von beispielsweise Gilbert&George, Carlo Scarpa, William Morris, Arthur Melville, Bernd & Hilla Becher und so vielen anderen! Das ist wirklich ein Museumsrundgang der Spaß macht, der das Entdecken zulässt und der sich schwer in Worte fassen lässt. Deshalb: wenn ihr in Palermo seid, geht hin, entdeckt!

Monreale – Gold, Licht, Stille

Raus aus Palermo, ab auf den Berg! Hier liegt Monreale mit dem normannisch-arabisch-byzantinischen Dom und angrenzendem Benediktinerkloster, entstanden ab 1174 unter Wilhelm II. von Sizilien.

Berühmt ist die Kathedrale vor allem für ihre unglaublichen, goldschimmernden Mosaike: Auf rund 6.400 m² erzählen sie Szenen aus dem Alten und Neuen Testament – leuchtende Farben, unglaublich detailliert und beeindruckend! Über allem thront der gewaltige Christus Pantokrator in der Apsis, ein zentrales Bild byzantinischer Sakralkunst.

Mindestens genauso faszinierend: der Kreuzgang des angrenzenden Benediktinerklosters mit seinen über 200 Doppelsäulen. …jede individuell gestaltet, manche mit farbigen Glasmosaiken besetzt – florale Ornamente, geometrische Muster, Geschichten in Stein.

…und wenn dieser Ort sprechen könnte, würden wir bestimmt die ein oder andere Gechichte hören. Mich würde vor allem interessieren, was die vielen Handwerker:innen erlebt haben und was sie sich bei ihrer Arbeit an den Mosaiken und den Steinmetzarbeiten gedacht haben…

Welche Geschichten würdest du denn gerne hören?!


Palermo erleben – persönlich & echt

Ich bin ja der Meinung, dass man Städte, Länder ach eigentlich alles besser kennenlernt (und vielleicht auch ein bisschen versteht) wenn man die Menschen dort trifft. Also nicht nur mit den Menschenströmen die ausgetretenen Wege geht, sondern eben auch mal in eine Gasse, die vielleicht nicht so attraktiv aussieht. Meistens verbergen sich da die tollsten Sachen. Und man trifft Menschen. In kleinen Läden, wo sie ihre handwerklich hergestellten Sachen verkaufen oder Spezialitäten, die ihre Geschichte erzählen…

Drei Personen, die mir in Erinnerung geblieben sind (neben unserem Vermieter Salvo): Silvia, Serena und der Eismann. Drei Begegnungen, drei Gespräche – über ihr Leben, über Palermo, über alles dazwischen.

Silvia stammt aus einem Vorort von Palermo, in dem eben auch einer der großen Mafia-Bosse zu Hause war. Der familiäre Verbindungen mit ihrer Familie hatte. Und wenn sie auf den Anti-Mafia-Touren über die Machenschaften der Mafia und ihre Geschichte berichtet, dann bleibt es durch ihren eigenen familiären Hintergrund eben keine abstrakte Geschichte, sondern es gibt einen authentischen Einblick in das Leben der Menschen in Palermo, auf Sizilien… Oder Serena, die nach den Pasta-Rezepten ihrer Großmutter kocht und einen eigenen Laden aufgemacht hat, wo sie mit einem engagierten Team leckerste Spezialitäten anbietet. Na ja und bei dem sympathischen Eishersteller, der auch ein B&B hat und der uns so viel probieren lies und das Gelato-Essen schon fast wie eine Weinprobe zelebrierte – bei dem hab ich vor lauter Geschmacksexplosionen nicht nach dem Namen gefragt… Alle haben sie unseren Palermo-Aufenthalt besonders gemacht!


Tipps & Empfehlungen für den Palermo-Trip

🚌 Altstadt-Bus & Orientierung
Palermo ist groß, laut, verwinkelt – aber auch wunderbar zu Fuß zu entdecken. Praktisch, wenn die Füße zu sehr schmerzen: in der Altstadt fährt ein kostenfreier kleiner Bus – erkennbar an der orangenen Farbe!

🏡 Schöner wohnen – am besten in der Kalsa
Das Viertel Kalsa ist eines der ältesten und stimmungsvollsten in Palermo. Einst arabisches Verwaltungszentrum, heute ein kreativer Hotspot mit kleinen Galerien, Handwerksläden und Cafés. Hier mischen sich morbider Charme, historische Architektur und künstlerische Lebendigkeit. Perfekt, um mittendrin zu wohnen – würden wir beim nächsten Mal auf alle Fälle machen!

🍰 Naschen & Genießen – süß, herzhaft, besonders

  • Fava’s Bar – liegt eher unscheinbar, hat aber die besten und leckersten Cornetti! Natur oder gefüllt mit Pistazien- oder Kaffeecreme… Mmmmmh! https://g.co/kgs/2qM5T9G
  • Cioccolateria Lorenzo – mitten in Kalsa mit einem kleinen Hinterhof in dem sich hervorragend ein Cappuccino genießen lässt https://g.co/kgs/GvAyJ9Z
  • Pastory – moderne trifft auf traditionelle sizilianische Küche Website
  • Salumeria Alcolica – Weinbar und Bistro. Perfekt für einen Aperitivo oder Foccacia oder… https://g.co/kgs/1BLQxc9
  • Belli Freschi – hausgemachtes Gelato und Granita mit außergewöhnlichen Geschmacksrichtungen https://g.co/kgs/72sHjBf
  • Gelateria Azzurra – das beste Pistazieneis von Palermo https://g.co/kgs/qoYWKKw

Espresso mal anders
Unbedingt probieren: Espresso mit Pistaziencreme. Wie Palermo selbst: intensiv, süß, stark.

🍬 Cannoli & Klosterbäckerei
Ein besonderes Erlebnis bietet das ehemalige Nonnenkloster Santa Caterina. In der historischen Klosterbäckerei werden Cannoli und viele andere Süßspeisen nach überlieferten Rezepten gefertigt. Der Innenhof mit Brunnen und barocker Kulisse ist ein stiller, fast magischer Ort mitten im Trubel wo man die Spezialitäten am besten direkt genießt!

💡 Tipp: Früh hingehen – später am Tag kann es voll werden. Und nicht erschrecken, wegen der Vielzahl an Süßigkeiten, Cannoli gehen immer!

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🧹 Kalsa & Handwerk
Unbedingt durch die kleinen Gassen streifen – hier findet man noch echtes Handwerk: Keramik, Stoffe, Lederwaren, vieles davon lokal produziert und von sympathischen Menschen direkt vor Ort verkauft

🌊 Mondello & Cefalù
Wenn dir der Sinn nach Meer steht:

  • Mondello ist Palermos Stadtstrand – quirlig, lebendig, mit Adria-Feeling.
  • Cefalù, etwa eine Stunde entfernt, ist malerisch und entspannter. Perfekt für einen Tagesausflug mit Baden, Bummeln, Cappuccino.

🍆 Caponata
Palermo zu Hause nachschmecken? Dann probier dich an Caponata – dem sizilianischen Auberginenklassiker.


💡 Rezept

6 Tomaten schälen und würfeln.

150 gr. Oliven in Ringe schneiden.

6 Stängel Sellerie kleinschneiden und in Wasser weichkochen.

Kapern (Anzahl nach Belieben) waschen.

2 rote Zwiebeln in kleine Würfel schneiden.

  • Alles in eine Pfanne geben und mit Salz & Pfeffer würzen. 5 Minuten kochen.

4 Auberginen in Würfel schneiden und salzen, waschen und abtropfen lassen. Mit Olivenöl für etwa 10 Minuten anbraten.

  • Auberginen zum restlichen Gemüse in die Pfanne geben und alles weitere 10-15 Minuten kochen.
  • Mit etwas Aceto und Zucker abschmecken und weitere 5 Minuten einkochen lassen.
  • Zum Schluss frischen Basilikum zugeben.

Caponata wird kalt genossen und die Soße am besten mit einem Stück frischen Sesam-Weißbrot aufgenommen 

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