Hast du dich schon mal mit jemandem darüber gestritten,
wie etwas gemeint ist?
Ein Begriff.
Eine Farbe.
Eine Formulierung.
Ein Entwurf.
Zwei Menschen – zwei Lesarten.
Und plötzlich soll nur eine „richtig“ sein?
Solche Situationen kennen wir doch alle: im Meeting oder bei Entscheidungen über die Wohnungseinrichtung, in der Abstimmung über einen Text oder das Abendessen. Im Privaten wie im Arbeitsalltag haben wir oft den Wunsch nach Eindeutigkeit. Nach Klarheit. Nach einer Entscheidung, die möglichst alles auflöst. Abrakadabra.
In der Kunst läuft das anders.
Hier gilt Mehrdeutigkeit nicht als Problem, sondern als Normalzustand. Ein Werk muss sich nicht eindeutig erklären. Es darf offen bleiben, widersprüchlich sein, unterschiedliche Perspektiven zulassen. Viele Künstler:innen ziehen sich bewusst aus der Deutungshoheit zurück und überlassen es den Betrachtenden, Sinn zu bilden, Meinungen zu haben, zu sehen, erzählen, wahrnehmen. …auch (oder gerade), wenn mehrere „Wahrheiten“ nebeneinanderstehen.
Und genau das macht Kunst als Denkraum so spannend für den Alltag:
Nicht jede Uneindeutigkeit muss sofort geklärt werden. Manchmal ist sie ein Hinweis darauf, dass etwas noch in Bewegung ist. Dass unterschiedliche Erfahrungen, Erwartungen oder Denkweisen aufeinandertreffen. Und dass es sich lohnt, einen Moment länger hinzuschauen.
Es kann tatsächlich erstaunlich entlastend sein, Uneindeutigkeit nicht als Fehler zu behandeln, sondern als Zustand. Unterschiedliche Lesarten wahrzunehmen, statt sie zu glätten. Entscheidungen nicht vorschnell zu schließen, sondern offen zu halten, auszuhalten.
Vielleicht geht es weniger darum, immer recht zu haben, sondern mehr darum, mehrere Sichtweisen nebeneinander stehen lassen zu können…







Hinterlasse einen Kommentar