Schatten sind Spuren des Lichts…

Sie gehören zu was und sind doch eigenständig. Sie zeigen Formen und verändern sie gleichzeitig. Sie machen sichtbar, indem sie eigentlich was wegnehmen.

…und manchmal gruseln wir uns vielleicht auch vor ihnen… Ein Schatten an der Wand, der plötzlich größer wirkt als das, was ihn wirft. Eine Bewegung im Augenwinkel. Etwas, das sich verändert, ohne dass man genau sagen kann, warum.

Schatten kann irritieren. Weil er Dinge verzerrt. Weil er sie verdoppelt. Weil er sie nicht ganz eindeutig macht.

Vielleicht ist dir heute schon einer begegnet, ohne dass du ihn wirklich bemerkt hast. Der Schatten (d)einer Tasse auf dem Tisch. Ein Geländer, das Linien auf den Boden zeichnet. Aste, die als Muster auf einer Hauswand liegen. Oder du selbst hinter vor neben dir!

Licht zeigt, wie etwas hervorgehoben wird. Im Schatten passiert das Gegenteil und genau deshalb entsteht Tiefe.

Erst durch ihn wird eine Kante spürbar, ein Abstand sichtbar, ein Raum erfahrbar.

In der Malerei ist Schatten nie einfach nur „dunkel“. Er ist ein präzises Werkzeug. Artemisia Gentileschi z.B. arbeitet (wie viele Künstler:innen ihrer Zeit) mit starken Hell-Dunkel-Kontrasten. Licht fällt gezielt auf Gesichter, Hände, entscheidende Momente, während anderes im Schatten bleibt, der Blick wird geführt. Dadurch entsteht nicht nur Räumlichkeit, sondern auch Spannung.

Und das gilt nicht nur für Kunst. Auch im Alltag sehen wir Schatten oft nur nebenbei. Dabei sind sie es, die Dingen Gewicht geben. Ohne Schatten wirkt vieles flach. Erst durch ihn wird sichtbar, dass etwas im Raum steht, dass etwas Abstand hat, dass etwas Tiete besitzt.

Ein Schatten kann etwas verlangern, verzerren, verdoppeln. Er kann Dinge klarer machen oder eben geheimnisvoller. Cooles Ding, dieser Schatten!

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