Ist der Frühling grün vor Neid?

Grün ist doch ganz schön. Eigentlich. Gerade jetzt: dieses zarte Grün… Ich finde ja den Begriff „lenzgrün“ total schön und plädiere überhaupt dafür, dass man das Wort „Lenz“ wieder öfter verwendet!

Aber zurück zu dieser Redewendung: oft benutzt, kaum drüber nachgedacht. Oder? Denn eigentlich, wenn wir an Grün denken, denken wir zuerst an Frühling, an Blätter, an etwas Frisches, Lebendiges. An etwas, das wächst. Warum also verbindet sich ausgerechnet diese Farbe mit einem Gefühl wie Neid? Es wäre doch eher was für… mmmmh…. Freude? Glück?

Ein möglicher Ursprung liegt tatsächlich in etwas sehr Körperlichen. In der Antike (Hippokrates könnten wir anschauen) ging man davon aus, dass Gefühle eng mit Körpersäften zusammenhängen. Ein Übermaß an Galle konnte also nicht nur krank machen, sondern auch Emotionen beeinflussen. Übelkeit, ein fahler Teint, ein „grünliches“ Aussehen… all das wurde mit Neid und Missgunst verbunden. Grün war hier also weniger die Farbe der Natur als die Farbe eines Ungleichgewichts. Im Körper.

Ungleichgewicht also… vielleicht ist das der interessante Punkt: Grün ist ja irgendwie auch keine eindeutige Farbe. Sie liegt im Farbspektrum genau zwischen Blau und Gelb (also die beiden Grundfarben, aus denen man es mischen kann), also zwischen kalt und warm. Unser Auge kann diese Farbe besonders gut verarbeiten, ohne schnell zu ermüden (deshalb lohnenswert für Hintergründe, auf die man lange schaut!). Grün wirkt beruhigend, ausgleichend, stabilisierend. Studien zeigen, dass Grün tatsächlich Stress reduzieren kann, dass es Konzentration fördert und sogar Heilungsprozesse positiv beeinflussen kann. Es ist die Farbe, bei der das Sehen „wenig zu tun hat“, nicht kämpfen muss.

Nochmal zurück zu diesem Ding mit der Mischfarbe. Grün entsteht aus Blau und Gelb, also aus zwei sehr unterschiedlichen Qualitäten. Blau zieht eher nach innen, wirkt ruhig, distanziert. Gelb dagegen strahlt, drängt nach außen, ist aktiv. Im Grün treffen diese beiden Bewegungen aufeinander und bleiben irgendwie beide da. Grün ist also kein statischer Zustand, sondern immer in Bewegung. Vielleicht ist es deshalb auch so schwer festzulegen, denn es ist nie so ganz das eine oder das andere.

In der Natur zeigt sich das ja auch besonders deutlich. Das erste Grün im Frühling ist nicht dasselbe wie das satte, dichte Grün im Sommer. Es verändert sich ständig, verschiebt sich, reagiert auf Licht, auf Jahreszeit, auf Umgebung. Grün ist weniger ein Zustand als ein Prozess.

Das hat Künstler:innen auch immer wieder fasziniert. Paul Cézanne zum Beispiel hat dieses Wissen quasi in seine Arbeitsweise eingebaut: Er malte das Grün der Provence nicht als Fläche, sondern als Schicht über Schicht aufgetragene Farbe (sein taches), weil er wusste, dass Grün sich im Licht verändert und kein einzelner Pinselstrich ihm gerecht werden kann. Und Claude Monet, der die Seerosenteiche in Giverny über Jahrzehnte und immer wieder und wieder gemalt hat, war im Grunde ein Chronist genau dieses Prozesses: Grün als Veränderung, nicht als Zustand.

Besonders interessant ist dabei, wie sehr diese Faszination für das Grün als Prozess auch Künstler:innen des Nordens beschäftigt hat! …vielleicht weil das Grün da noch rarer, kostbarer, kurzlebiger ist. Die finnische Malerin Helmi Biese ist um 1900 immer wieder in die Wälder Kareliens gegangen und hat das Grün des Unterholzes, der Moose, der Birken so gemalt, dass man meint, die Feuchtigkeit der Luft zu spüren. Kein romantisches Naturidyll also, sondern echte Nähe! Ihre Landschaften wirken nie fertig, nie dekorativ. Sie halten einen Moment fest, der sich gerade verändert.

Fanny Churberg, ihre finnische Zeitgenossin, hat Grün dagegen rau aufgetragen, dunkel, ungemütlich. In ihren Landschaften ist Grün keine einladende Farbe, sondern eine fordernde. Man fühlt sich nicht geborgen darin, sondern ausgesetzt. Auch das ist Grün: nicht Erholung, sondern Konfrontation.

Und dann Harriet Backer aus Norwegen, die das Grün in die Innenräume geholt hat: als reflektiertes Licht, das durch Fenster fällt und sich auf Wände, Böden, Gesichter legt. Bei ihr ist Grün keine Naturfarbe mehr, sondern irgendwie eine Stimmung, die sich kaum beschreiben, aber eben sofort erkennen, spüren lässt.

Verschiedene Künstler:innen, verschiedene Länder, völlig verschiedene Grüns. Und trotzdem alle mit dem Gedanken, dieses Flüchtige einzufangen.

Grün fordert uns nicht heraus wie Rot, es blendet uns nicht wie Gelb, es zieht uns nicht so stark in die Tiefe wie Blau. Es hält uns irgendwie in der Mitte. Es erlaubt uns, zu schauen, ohne sofort reagieren zu müssen. Vielleicht fühlen wir uns deshalb im Grünen oft so „bei uns“, ohne genau sagen zu können, warum.

Diese Wirkung wird ja auch ganz bewusst genutzt. In Japan gibt es das Konzept des sogenannten Shinrin-yoku (wörtlich übersetzt: „Waldbaden“). Gemeint ist damit kein sportliches Wandern, sondern ein langsames, bewusstes Eintauchen in den Wald. Sehen, hören, riechen, wahrnehmen. Studien zeigen, dass sich dabei Stresshormone reduzieren, der Blutdruck sinkt und das Immunsystem gestärkt werden kann. Interessant ist, dass es dabei nicht nur um Bewegung geht, sondern um das Aufhalten im Grünen.

Auch materiell ist diese Farbe alles andere als selbstverständlich. Lange Zeit war ein stabiles, leuchtendes Grün ziemlich schwer herzustellen. Viele historische Pigmente waren chemisch instabil oder sogar richtig gefährlich. Besonders berüchtigt ist das sogenannte Schweinfurter Grün, ein intensiv leuchtendes Pigment, entdeckt 1805 vom österreichischen Chemiker Ignaz Edler von Mitis. Ab etwa 1808 wurde es dann in Schweinfurt industriell produziert (daher der Name).

Aber – und jetzt kommt das eigentlich Spannende – diese Pigment enthielt Arsen (!). Damit waren nicht nur die Künstlerinnen und Handwerker gefährdet, die es verwendet haben. Es wurde auch in Tapeten, Kleidung und Malerei verwendet und galt als chic, modern und elegant. Gleichzeitig war es aber eben hochgiftig. In feuchten Räumen konnte es arsenhaltige Dämpfe freisetzen – mit teils ziemlich dramatischen gesundheitlichen Folgen.

Dass dieses Grün so beliebt war, sieht man auch an den vielen Bezeichnungen: Pariser Grün, Smaragdgrün, Kaisergrün… Es war ein echtes Statement. Und gleichzeitig eben: hochgiftig. Erst 1844 konnte der Arzt Carl von Basedow nachweisen, dass bestimmte Pilze aus diesen Farben arsenhaltige Dämpfe freisetzen konnten.

Dieses Kippen zwischen Schönheit und Gefahr steckt also irgendwie in der Farbe…

Und dann gibt es noch diese fast schon absurde Verbindung zur Geschichte: Als Napoleon 1821 auf St. Helena stirbt, ist eben genau dieses Grün gerade in Mode. Lange Zeit wurde vermutet, dass arsenhaltige Tapeten in seinen Räumen zu seinem Tod beigetragen haben könnten. Heute gilt das als eher unwahrscheinlich, aber die Vorstellung bleibt: dass eine Farbe nicht nur dekorativ ist, sondern tatsächlich wirkt!

Wieder zurück zu diesem Dazwischen: Kupferhaltige Farben wie Malachit oder Grünspan verändern sich mit der Zeit, reagieren auf Luft, auf Licht, auf Umgebung. Grün ist hier also nicht nur in seiner Wirkung, sondern auch in seiner materiellen Existenz eine instabile, lebendige Farbe. Eine, die sich entzieht, verändert, manchmal sogar verschwindet.

Man sieht das wunderbar an mittelalterlichen Altargemälden: Dort wo einmal sattes Grün in den Gewändern von Heiligen, in Landschaftshintergründen leuchtete, findet sich heute oft ein stumpfes Braun. Das Malachit hat sich chemisch verändert, das Kupfer hat reagiert. Das Grün ist weg. Nicht durch Unachtsamkeit, sondern weil es in seiner Natur liegt, sich zu verwandeln. Manchmal fragt man sich, ob die Restaurator:innen (die das ja wissen) beim Anblick dieser Bilder nicht eine total traurig sind, weil das Grün einer Epoche für immer verloren ist.

Vielleicht ist das das Schönste und Eigenartigste an dieser Farbe: Sie ist eben nie ganz zu greifen. Weder chemisch noch optisch noch emotional. Grün ist das Versprechen von etwas: Wachstum, Frische, Lebendigkeit – aber eben kein Versprechen. Es läuft weiter. Verändert sich. Verschwindet manchmal, und taucht woanders wieder auf, in einem anderen Licht, einer anderen Jahreszeit, einem anderen Ton.

Und vielleicht ist genau das auch der Grund, warum wir uns in seiner Gegenwart so seltsam entspannen: Weil wir unbewusst spüren, dass Grün keine Antwort ist. Sondern ein Prozess. Und dass das ja eigentlich gar nicht so verkehrt ist.

Ist der Frühling grün vor Neid?

Grün ist doch ganz schön. Eigentlich. Gerade jetzt: dieses zarte Grün… Ich finde ja den Begriff „lenzgrün“ total schön und plädiere überhaupt dafür, dass man das Wort „Lenz“ wieder öfter verwendet!

Aber zurück zu dieser Redewendung: oft benutzt, kaum drüber nachgedacht. Oder? Denn eigentlich, wenn wir an Grün denken, denken wir zuerst an Frühling, an Blätter, an etwas Frisches, Lebendiges. An etwas, das wächst. Warum also verbindet sich ausgerechnet diese Farbe mit einem Gefühl wie Neid? Es wäre doch eher was für… mmmmh…. Freude? Glück?

Ein möglicher Ursprung liegt tatsächlich in etwas sehr Körperlichen. In der Antike (Hippokrates könnten wir anschauen) ging man davon aus, dass Gefühle eng mit Körpersäften zusammenhängen. Ein Übermaß an Galle konnte also nicht nur krank machen, sondern auch Emotionen beeinflussen. Übelkeit, ein fahler Teint, ein „grünliches“ Aussehen… all das wurde mit Neid und Missgunst verbunden. Grün war hier also weniger die Farbe der Natur als die Farbe eines Ungleichgewichts. Im Körper.

Ungleichgewicht also… vielleicht ist das der interessante Punkt: Grün ist ja irgendwie auch keine eindeutige Farbe. Sie liegt im Farbspektrum genau zwischen Blau und Gelb (also die beiden Grundfarben, aus denen man es mischen kann), also zwischen kalt und warm. Unser Auge kann diese Farbe besonders gut verarbeiten, ohne schnell zu ermüden (deshalb lohnenswert für Hintergründe, auf die man lange schaut!). Grün wirkt beruhigend, ausgleichend, stabilisierend. Studien zeigen, dass Grün tatsächlich Stress reduzieren kann, dass es Konzentration fördert und sogar Heilungsprozesse positiv beeinflussen kann. Es ist die Farbe, bei der das Sehen „wenig zu tun hat“, nicht kämpfen muss.

Nochmal zurück zu diesem Ding mit der Mischfarbe. Grün entsteht aus Blau und Gelb, also aus zwei sehr unterschiedlichen Qualitäten. Blau zieht eher nach innen, wirkt ruhig, distanziert. Gelb dagegen strahlt, drängt nach außen, ist aktiv. Im Grün treffen diese beiden Bewegungen aufeinander und bleiben irgendwie beide da. Grün ist also kein statischer Zustand, sondern immer in Bewegung. Vielleicht ist es deshalb auch so schwer festzulegen, denn es ist nie so ganz das eine oder das andere.

In der Natur zeigt sich das ja auch besonders deutlich. Das erste Grün im Frühling ist nicht dasselbe wie das satte, dichte Grün im Sommer. Es verändert sich ständig, verschiebt sich, reagiert auf Licht, auf Jahreszeit, auf Umgebung. Grün ist weniger ein Zustand als ein Prozess.

Das hat Künstler:innen auch immer wieder fasziniert. Paul Cézanne zum Beispiel hat dieses Wissen quasi in seine Arbeitsweise eingebaut: Er malte das Grün der Provence nicht als Fläche, sondern als Schicht über Schicht aufgetragene Farbe (sein taches), weil er wusste, dass Grün sich im Licht verändert und kein einzelner Pinselstrich ihm gerecht werden kann. Und Claude Monet, der die Seerosenteiche in Giverny über Jahrzehnte und immer wieder und wieder gemalt hat, war im Grunde ein Chronist genau dieses Prozesses: Grün als Veränderung, nicht als Zustand.

Besonders interessant ist dabei, wie sehr diese Faszination für das Grün als Prozess auch Künstler:innen des Nordens beschäftigt hat! …vielleicht weil das Grün da noch rarer, kostbarer, kurzlebiger ist. Die finnische Malerin Helmi Biese ist um 1900 immer wieder in die Wälder Kareliens gegangen und hat das Grün des Unterholzes, der Moose, der Birken so gemalt, dass man meint, die Feuchtigkeit der Luft zu spüren. Kein romantisches Naturidyll also, sondern echte Nähe! Ihre Landschaften wirken nie fertig, nie dekorativ. Sie halten einen Moment fest, der sich gerade verändert.

Fanny Churberg, ihre finnische Zeitgenossin, hat Grün dagegen rau aufgetragen, dunkel, ungemütlich. In ihren Landschaften ist Grün keine einladende Farbe, sondern eine fordernde. Man fühlt sich nicht geborgen darin, sondern ausgesetzt. Auch das ist Grün: nicht Erholung, sondern Konfrontation.

Und dann Harriet Backer aus Norwegen, die das Grün in die Innenräume geholt hat: als reflektiertes Licht, das durch Fenster fällt und sich auf Wände, Böden, Gesichter legt. Bei ihr ist Grün keine Naturfarbe mehr, sondern irgendwie eine Stimmung, die sich kaum beschreiben, aber eben sofort erkennen, spüren lässt.

Verschiedene Künstler:innen, verschiedene Länder, völlig verschiedene Grüns. Und trotzdem alle mit dem Gedanken, dieses Flüchtige einzufangen.

Grün fordert uns nicht heraus wie Rot, es blendet uns nicht wie Gelb, es zieht uns nicht so stark in die Tiefe wie Blau. Es hält uns irgendwie in der Mitte. Es erlaubt uns, zu schauen, ohne sofort reagieren zu müssen. Vielleicht fühlen wir uns deshalb im Grünen oft so „bei uns“, ohne genau sagen zu können, warum.

Diese Wirkung wird ja auch ganz bewusst genutzt. In Japan gibt es das Konzept des sogenannten Shinrin-yoku (wörtlich übersetzt: „Waldbaden“). Gemeint ist damit kein sportliches Wandern, sondern ein langsames, bewusstes Eintauchen in den Wald. Sehen, hören, riechen, wahrnehmen. Studien zeigen, dass sich dabei Stresshormone reduzieren, der Blutdruck sinkt und das Immunsystem gestärkt werden kann. Interessant ist, dass es dabei nicht nur um Bewegung geht, sondern um das Aufhalten im Grünen.

Auch materiell ist diese Farbe alles andere als selbstverständlich. Lange Zeit war ein stabiles, leuchtendes Grün ziemlich schwer herzustellen. Viele historische Pigmente waren chemisch instabil oder sogar richtig gefährlich. Besonders berüchtigt ist das sogenannte Schweinfurter Grün, ein intensiv leuchtendes Pigment, entdeckt 1805 vom österreichischen Chemiker Ignaz Edler von Mitis. Ab etwa 1808 wurde es dann in Schweinfurt industriell produziert (daher der Name).

Aber – und jetzt kommt das eigentlich Spannende – diese Pigment enthielt Arsen (!). Damit waren nicht nur die Künstlerinnen und Handwerker gefährdet, die es verwendet haben. Es wurde auch in Tapeten, Kleidung und Malerei verwendet und galt als chic, modern und elegant. Gleichzeitig war es aber eben hochgiftig. In feuchten Räumen konnte es arsenhaltige Dämpfe freisetzen – mit teils ziemlich dramatischen gesundheitlichen Folgen.

Dass dieses Grün so beliebt war, sieht man auch an den vielen Bezeichnungen: Pariser Grün, Smaragdgrün, Kaisergrün… Es war ein echtes Statement. Und gleichzeitig eben: hochgiftig. Erst 1844 konnte der Arzt Carl von Basedow nachweisen, dass bestimmte Pilze aus diesen Farben arsenhaltige Dämpfe freisetzen konnten.

Dieses Kippen zwischen Schönheit und Gefahr steckt also irgendwie in der Farbe…

Und dann gibt es noch diese fast schon absurde Verbindung zur Geschichte: Als Napoleon 1821 auf St. Helena stirbt, ist eben genau dieses Grün gerade in Mode. Lange Zeit wurde vermutet, dass arsenhaltige Tapeten in seinen Räumen zu seinem Tod beigetragen haben könnten. Heute gilt das als eher unwahrscheinlich, aber die Vorstellung bleibt: dass eine Farbe nicht nur dekorativ ist, sondern tatsächlich wirkt!

Wieder zurück zu diesem Dazwischen: Kupferhaltige Farben wie Malachit oder Grünspan verändern sich mit der Zeit, reagieren auf Luft, auf Licht, auf Umgebung. Grün ist hier also nicht nur in seiner Wirkung, sondern auch in seiner materiellen Existenz eine instabile, lebendige Farbe. Eine, die sich entzieht, verändert, manchmal sogar verschwindet.

Man sieht das wunderbar an mittelalterlichen Altargemälden: Dort wo einmal sattes Grün in den Gewändern von Heiligen, in Landschaftshintergründen leuchtete, findet sich heute oft ein stumpfes Braun. Das Malachit hat sich chemisch verändert, das Kupfer hat reagiert. Das Grün ist weg. Nicht durch Unachtsamkeit, sondern weil es in seiner Natur liegt, sich zu verwandeln. Manchmal fragt man sich, ob die Restaurator:innen (die das ja wissen) beim Anblick dieser Bilder nicht eine total traurig sind, weil das Grün einer Epoche für immer verloren ist.

Vielleicht ist das das Schönste und Eigenartigste an dieser Farbe: Sie ist eben nie ganz zu greifen. Weder chemisch noch optisch noch emotional. Grün ist das Versprechen von etwas: Wachstum, Frische, Lebendigkeit – aber eben kein Versprechen. Es läuft weiter. Verändert sich. Verschwindet manchmal, und taucht woanders wieder auf, in einem anderen Licht, einer anderen Jahreszeit, einem anderen Ton.

Und vielleicht ist genau das auch der Grund, warum wir uns in seiner Gegenwart so seltsam entspannen: Weil wir unbewusst spüren, dass Grün keine Antwort ist. Sondern ein Prozess. Und dass das ja eigentlich gar nicht so verkehrt ist.

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